Warum eine Regionalgruppe

Die Fachklinik Heiligenfeld ist ein Ort, zu dem Menschen finden, die sich in psychischen/seelischen Krisen befinden. Solche Krisen können durch belastende Lebensumstände ausgelöst werden. Oder es brechen alte unverarbeitete Erfahrungen, meist aus der frühen Kindheit, wieder hervor, die einem das Leben schwierig und düster erscheinen lassen. Auch kann es passieren, dass das Leben einen mit Situationen konfrontiert, denen man sich nicht gewachsen fühlt.

Eine Besonderheit von Heiligenfeld ist die Integration der Spiritualität. Und so finden dort auch Menschen hin, die sich in spirituellen Krisen befinden oder für die Spiritualität ein wichtiges Lebensthema ist. Ganzheitlichkeit bedeutet für Heiligenfeld, eben auch diesen Bereich des Lebens mit einzuschließen.

In Heiligenfeld finden unterschiedlichste Menschen zueinander. Lebenskrisen und psychische Probleme gibt es in jedem Alter und in jeder sozialen Schicht. Trotz dieser großen Unterschiede gibt es unter der Oberfläche etwas Verbindendes. Liebe, Geborgenheit, Halt, Freude, Mitgefühl, Miteinander, Offenheit und Lust sind Lebensinhalte, die wir alle miteinander teilen. Und wir leiden, wenn Mangel daran besteht.

Um solche Themen geht es in Heiligenfeld: Was brauche ich wirklich? Wer bin ich? Was ist meine Lebensaufgabe? Was sind meine Verletzungen und wie kann ich mich aussöhnen? Wie kann ich meinen Ärger und meine Wut loslassen? Warum bin ich frustriert und fühle mich ausgebrannt? Wie kann ich mal richtig wütend werden? Wie geschieht Vergebung? Wie kann ich mich aus widrigen Lebensumständen befreien? Was in mir drängt nach Ausdruck, nach Entwicklung, was will werden, will ins Licht? Wo sind meine Stärken und Fähigkeiten und wie gelingt es mir, diese zu entwickeln und auszudrücken? Was gibt mir Hoffnung und Sinn? Wofür lohnt es sich, zu leben? Wie kann ich mit meinem Schmerz und meiner Traurigkeit fertig werden?

Wenn man dann nach vielleicht 8 Wochen von Heiligenfeld zurückkommt, ist es für viele erstmal schwer, die gemachten Erfahrungen, die positiven Anregungen und aufgezeigten Wege, in den Alltag zu integrieren. Jetzt spürt man, wie stark einen doch das tragende Umfeld in der Klinik unterstützt und geholfen hat. Jetzt ist man wieder auf sich alleine gestellt und hat vielleicht nicht die Kraft, den begonnenen guten Weg weiterzugehen.

Deshalb machen wir Regionalgruppenarbeit. Wir wollen uns gegenseitig darin unterstützen, die vielen guten Impulse aus Heiligenfeld in unseren Alltag zu integrieren. Uns verbindet alle eine außergewöhnliche Erfahrung, die wir in Heiligenfeld machen durften. Jeder auf seine Weise und doch gibt es viel Verbindung. Das spürt man immer wieder, wenn man sich mit Menschen unterhält, die ebenfalls in Heiligenfeld waren.

Weil auch Heiligenfeld kein Paradies ist, gibt es natürlich auch negative Erfahrungen. Manches war nicht da, was man sich gewünscht hat. Vielleicht gab es zu wenig Raum oder das Angebot überforderte einen. Von Therapeuten wurde man nicht richtig verstanden oder Situationen nicht richtig eingeschätzt. Ärger, Wut, Enttäuschung, Verletztheit und Gekränktsein sind auch alles Gefühle, die durch den Aufenthalt in Heiligenfeld in Erscheinung treten können und folgend verarbeitet werden müssen.

Regionalgruppenarbeit ist nicht nur für den Übergang von der Klinik in den Alltag. Heiligenfeld ist für viele der Beginn eines bewussteren Lebens und einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben. Und im Grunde ist dies ein fortlaufender Prozess, mindestens so lange wir leben.

Entwicklung des eigenen Lebens ist ein spannender Prozess. Heiligenfeld öffnet für die Erkenntnis, dass es zutiefst lohnend ist, sich selber besser zu verstehen und sein Leben in die Hand zu nehmen. Verantwortung für das Leben zu übernehmen. Bei all dem Schmerz und den Schwierigkeiten, die so eine Entscheidung auch immer mal wieder mitsich bringt. Und hoffentlich konnte jeder auch die Erfahrung machen, wie freudvoll und befreiend diese Arbeit sein kann.

Heiligenfelder Regionalgruppenarbeit bedeutet also, den Samen, der in Heiligenfeld freigelegt wurde, weiter zu nähren und das Pflänzchen großzuziehen. Und das wiederum hat gar nichts mit Heiligenfeld zu tun. Es war nur ein Ort, der dir zeigte, dass du mehr bist, als du bisher geglaubt hast. Er hat dir die Augen geöffnet für etwas, was schon immer in dir angelegt war. "Klammer dich nicht an Heiligenfeld! Auch draußen gibt es wunderbare Menschen.", so drückte es mal eine Therapeutin in Heiligenfeld aus.

Wer also Heiligenfeld kennengelernt hat und mit anderen ein Stück Heiligenfelder Geist ins Ruhrgebiet bringen möchte, ist herzlich eingeladen, mitzuwirken.