Entspannung weicht das Ego auf
Wenn Fronten sich verhärten, beobachtet man oft, dass Menschen sehr egoistisch und selbstbezogen werden und überhaupt nicht mehr fähig sind, über den Tellerrand zu blicken. Es scheint so, als würden sich höherentwickelte Bewusstseinsebenen verschließen und nur noch sehr niedere Ebenen wirken.
Auch die niederen Ebenen sind wichtig und nötig, wenn sie jedoch ausschließlich wirken, ohne diese höheren Ebenen, dann kommt es zu sehr eingeschränkten und regressiven Verhaltensweisen.
Die höheren Bewusstseinsebenen fügen vieles hinzu, was vor allem für die Entwicklung einer Sichtweise wichtig ist, die über mich hinausgeht. Vernunft, Mitgefühl, Ethik, sich in andere hineinzuversetzen und zu verstehen, all das ist auf den höheren Bewusstseinsebenen angesiedelt.
Bei den niedrigeren Ebenen geht es vorwiegend darum, sein Leben zu bewahren, sein körperliches Dasein zu verteidigen, sich gute Bedingungen für ein Überleben zu sichern. Alles andere ist auf dieser Ebene nicht wichtig. Diese Ebene haben wir genauso, wie viele Tiere. Auf dieser Ebene gibt es also viele Ähnlichkeiten. Beobachtet man Verhalten von Tieren, kann man sehr schön etwas über diese Ebenen lernen.
Diese niederen Ebenen können sich beruhigen und treten in den Hintergrund, wenn nichts bedrohliches da ist, wenn gut für unser körperliches Wohlergehen gesorgt ist. Wenn man auf körperlicher Ebene zufrieden ist. Dann besteht die Möglichkeit, mehr im Kontakt mit den höheren Ebenen zu sein.
Wenn diese höheren Ebenen wach und anwesend sind, können wir bessere Entscheidungen treffen, können besser in Kontakt mit anderen kommen. Wir können besser das Ganze sehen, haben mehr Überblick. Es ist mehr in unsere Welt eingeschlossen, die wir wahrnehmen.
Es ist also wichtig, ein Klima zu schaffen, wo man sich diesen höheren Ebenen öffnen kann und nicht von den niedrigeren Ebenen dominiert wird. Wenn man sich z.B. konstruktiv mit anderen Menschen auseinandersetzen möchte, gemeinsame Entscheidungsprozesse durchläuft, braucht es so ein Klima. Nicht immer und durchweg - manchmal ist es gut, wenn etwas hochkocht. Es braucht aber immer wieder dir Rückkehr zu dieser Entspanntheit, um als umfassenderer Mensch sich zu begegnen und nicht als reduzierter Mensch. Es ist oft unglaublich, wie viele neue Möglichkeiten entstehen, wenn man in einer aufgehitzten Diskussion einfach mal 5 Minuten Pause macht. Und wie engstirnig es oft umgedreht wird, wenn Fronten sich verhärten, wenn Wut, Aggression und Ärger vorherrschen.
Die höheren Ebenen sind übrigens auch nicht beschränkt, wie Wilber zeigte. Menschen können sich fortentwickeln zu neuen Bewusstseinsebenen, die noch umfassender sind. So ist ein Aufstieg in neue Dimensionen, eine Transzendenz möglich. Der Weg dahin ist spirituelle Praxis, wie Meditation. Wilber sagte selber einmal, man kann soviele Bücher lesen, wie man will. Das führt zu Gelehrtheit, zu einer Ausdifferenzierung auf einer bestimmten Bewusstseinsebene. Man wird aber dadurch kaum eine neue Bewusstseinsebene erreichen, es ist nichts gegenüber der Praxis. Praxis braucht einen theoretischen Hintergrund, eine Landkarte. Aber nur die Landkarte bedeutet nicht viel.
Interessant ist auch, dass das Umfeld, in dem ich lebe, sehr stark niedere Ebenen aktivieren kann, die mich dann bestimmen. Wenn man z.B. in Bereichen arbeitet, wo es viel um Geld und Macht und sonstige Begierden geht, wird man sehr stark stimuliert, mehr haben zu wollen. Das Bewusstsein ist dann von Ideen dominiert, immer mehr zu tun, um das Leben auf körperlicher Ebene abzusichern, sich noch bessere Bedingungen zu schaffen, noch mehr Einfluss zu haben. Bei solch starken Verlockungen auf niederer Ebene ist dann kein Raum mehr für die höheren Bewusstseinsebenen. Entscheidungen werden dann oft unvernünftig oder beziehen den anderen, die Natur, die restliche Welt nicht mit ein. Selbst Menschen, die mit viel Idealismus in solche Bereiche hineingehen, scheitern später an diesen Verlockungen. Aus diesem Grund gibt es in vielen Religionen auch das Mittel des Rückzuges aus der Welt. Buddhistische Mönche haben fast kein Hab und Gut und leben abgeschieden in einem Kloster, um nicht durch die Verlockungen der Welt, die die niederen Ebenen stimulieren, verwirrt zu werden. Sexualität ist dabei auch immer wieder ein Thema, in fast jeder Religion.
Interessant auch, dass nur Menschen zu dieser Raffgier neigen. Obwohl durch die niedrigeren Ebenen bestimmt, verhält sich kein Tier so. Es muss also ein höhere Bewusstseinsebene mit daran beteiligt sein, die uns zu diesem Verhalten führt.
Es ist wichtig, sich immer wieder zu erinnern, dass in einem entspannten Klima viel mehr möglich wird, als unter Anspannung, wo jeder nur ums Überleben kämpft. Und es braucht Abstand vom Alltag, damit die niederen Ebenen sich beruhigen können.
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