21.10.2004 Frühmorgensbewusstsein

Seit bestimmt 10 Jahren beobachte ich ein interessantes Phänomen. Es fing an zu einer Zeit, wo ich mich intensiver mit meinem Leben auseinandersetzte. Ich hatte viele Fragen und Unklarheiten, was mein inneres Erleben anging. Fragen, die ich durch nachdenken nicht lösen konnte.

Manchmal passierte es dann, dass ich morgens in einer Übergangsphase zwischen Schlaf und Wachsein war, wo mir auf einmal so vieles klar und bewusst wurde. Es waren Aha-Erlebnisse, ein Evidenzgefühl, dass das, was ich jetzt sehen kann, etwas auflöst. Ein plötzliches Erkennen. Wenn ich dann wach wurde und versuchte, es in Sprache auszudrücken, was ich da gerade erlebt habe, was mir klar wurde, verschwand es urplötzlich. Ich konnte es oft nicht mehr festhalten bzw. das, was ich festhielt, fühlte sich nicht so an, wie ein Aha-Erlebnis, wurde bedeutungslos. So, als würde die bewusste Ebene, das Denken, es wieder kaputt machen. Und die andere eher intuitive Ebene würde im Wachbewusstsein urplötzlich verschwinden. Das ärgerte mich oft, weil mir so wichtige Erkenntnisse verloren gingen. Andererseits merkte ich, ich auch, je mehr ich versuchte, mich zu erinnern, um so schneller verschwand alles.

Mittlerweile kann ich mich schon besser an das erinnern, was in solch einem Zustand so entsteht. Ich habe es manchmal noch einen ganzen Tag vor Augen, wenn auch nicht mehr so deutlich. Mir hilft das sehr und es ist ein wichtiger Teil von persönlicher Entwicklung für mich. Es ist wie eine Botschaft von einem Ort einer ganz eigenen Intelligenz. Vielleicht ist es das, was man als Intuition bezeichnet. Vielleicht gibt es Menschen, die mit dieser Quelle permanent verbunden sind. Ich bin eher linksseitig orientiert, also das rationale Denken steht sehr im Vordergrund. Sprache, Schrift, Begriffe. Die rechte Gehirnhälfte steht ja eher für Bilder, Metaphern, Vergleiche, Zusammenhänge, Beispiele und Analogien.

Mir scheint es so, dass in dieser Halbschlafphase der linke Gehirnteil noch schläft und der rechte schon wach ist. Der linke Teil scheint den rechten oft zu blockieren und so gelingt es mir im Wachsein nicht, die rechtseitigen Dinge ausreichend wahrzunehmen, ihnen Raum zu geben. In dieser Halbschlafphase geht das dagegen gut. Das war jetzt nur eine einfache Erklärung oder Idee davon, ob es sich wirklich so verhält, ich weiß es nicht.

Wie auch immer, diese Phase kurz vor dem Wachwerden ist ganz wertvoll und erkenntnisreich. Ich habe auch schon ein paar Dinge gefunden, wie ich diesen Zustand besser hervorrufen kann. Es gibt nämlich Zeiten, wo ich diese Phase überhaupt nicht erlebe. Folgende Einflussfaktoren scheint es zu geben:

  • Meditation beeinflusst die Sache sehr positiv. In Zeiten, wo ich regelmäßig meditiere, kommen auch verhäuft dieser Zustand. Ich merke, dass Meditation mich offen macht für dieses Intuition, denn auch in Meditation kommen mir oft Erkenntnisse aus einer ganz ähnlichen Region. Besonders günstig ist es, wenn ich vor dem Schlafengehen meditiere.
  • Ich muss ausschlafen können, darf nicht vom Wecker geweckt werden. Ich darf mir auch keine Gedanken machen, wann ich aufstehen müsste. Einfach einschlafen und wach werden, wenn es von ganz alleine soweit ist. Meist nach 8-9 Stunden.
  • Ich muss einen gewissen Abstand von Denkinhalten bekommen. Manchmal gehen mir wochenlang Projekte durch den Kopf, an denen ich gerade arbeite. Ich gehe dann mit Gedanken aus diesem Bereich ins Bett und merke auch morgens, dass ich noch keinen Abstand dazu habe. Dies sind meist die Wochen, wo sich der besondere Zustand überhaupt nicht zeigt.
  • Die Beschäftigung mit inneren Themen, das Lesen von anregenden Texten (z.B. Weisheiten), die Auseinandersetzung mit mir selbst fördern die Sache. Das bringt mich mehr in Kontakt mit mir selbst und erzeugt Spannungsfelder, wo ich nach Antwort suche.
  • geführte Trancemeditationen oder Phantasiereisen scheinen ähnliche Bewusstseinsbereiche anzusprechen. Ich mag da besonders die Hypnotrancen von Günter Bayer aus dem http://www.dehypno.de Verlag.
  • Ich vermute einen förderlichen Zusammenhang zu Körperarbeit wie Feldenkrais, Heileurythmie, Qi-Gong, Tai-Ji, Tanzmeditation usw. Und auch zum Malen.
  • In Heiligenfeld haben wir eine Kontemplation gelernt, wo man in einem meditativen Zustand sich einfach eine Frage stellt und wartet, dass etwas auftaucht. Auch diese Form von Erkenntnis ist ganz ähnlich, wie dieses Frühmorgenbewusstsein.

Abschließend kann ich sagen, dass dieser Zustand mich mit einer wertvollen Quelle von Erkenntnis in Verbindung bringt. Eine Quelle, die eine gänzlich andere Qualität hat wie das rationale Denken. Und es ist deshalb gut, wenn ich Möglichkeiten finde, den Kontakt zu dieser Quelle zu verbessern. Ich glaube, dass diese Quelle für alle wertvoll sein kann, um mehr zu sich selbst zu finden und Antworten auf wichtige Fragen zu bekommen.


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